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Wochenende

24. März 2011

Jetzt ist endgültig Schluß. Die Trauerphase muss ein Ende haben! Ich kann nicht ewig einer Frau hinterher weinen, die sich schon längst in Oldenburg in den durchtrainierten Armen eines gestählerten Bauarbeiters suhlt! Das Maß ist endgültig voll! Das dachte sich auch mein bester Freund Alk. Ja, ich weiß, hört sich etwas komisch an - Alk. Eigentlich heißt er auch nicht Alk. Wer nennt sein Kind auch schon Alk, sind wir doch mal ganz ehrlich?! Eigentlich heißt er Alvin - Alvin Käßmann. Alk eben. Genötigt hat er mich letztes Wochenende, mit ihm feiern zu gehen. Das könne so nicht weitergehen. Ich müsse auch mal wieder raus. Andere Mütter hätten auch schöne Töchter. Ich sei nicht ewig jung. Eigentlich sei ich es jetzt ja schon gar nicht mehr. Die noch wenig verbleibende Zeit müsse ich sinnvoll nutzen. Am besten mit ihm. Am besten auf Party. Bla bla bla. Einen Müll hat der zusammengelabert!

Mit bin ich trotzdem. Früher waren wir schließlich ständig zusammen feiern! Den Spaß lass ich mir doch nicht nehmen - von niemandem! Also sind wir losgezogen. Ein paar andere Kumpels waren auch noch mit am Start. Erste Station war eine kleine Bar in der Innenstadt: Musik scheiße, das Bier zu teuer, die Menschen zu häßlich. Auf zur nächsten Bar. Hier die Musik zwar nicht mehr ganz so scheiße, das Bier aber immer noch teuer und auch hier wohl nicht gerade Tag der Schönheit. Hört sich gemein an, ist es auch. Aber ab einem gewissen Grad der Frustration ist das eben auch egal. Mir und den anderen auch! Am Kiosk sind wir geendet. Nicht an einem, sondern mindestens an vier! Da war das Bier wenigstens billig!

Frischer Fisch

7. März 2011

Früher habe ich aoft mit meiner Freundin Sushi gemacht. Jetzt ist sie weg. Macht wahrscheinlich Sushi mit ihrem ollen Bauarbeiter. Ja, diese Woche bin ich ganz melancholisch und schwelge in alten Erinnerungen. Schön war es immer gewesen, das Kochen mit meiner Freundin. Wir haben oft gekocht, das muss ich schon sagen. Und damit meine ich nicht, dass sie gekocht hat und ich nur sinnlos herum stand. Nein, wir haben wirklich zusammen gekocht. Das waren noch Zeiten!

Egal! Genug der Sentimentalität! Dieses Wochenende hatte ich auf jeden Fall wieder mal Lust auf Sushi. Mit oder ohne Freundin! Das wird ja wohl noch erlaubt sein. Also habe ich mich gegen Nachmittag auf den Weg zu dem Asia Shop meines Vertrauens gemacht. Habe Reis, Reisessig und was man sonst noch so alles braucht, gekauft. Und dann, ja, was tun mit dem Fisch. So weit geht mein Vertrauen dann auch wieder nicht. Ob sie denn auch frischen Fisch hätten, habe ich gefragt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die asiatische Dame mittleren Alters mich überhaupt verstanden hat. Auf jeden Fall hat sie mir bedeutet, mich in Richtung der Gefrierschränke zu begeben. Und dann lagen sie da. Kleine Lachsscheibchen, garniert mit einer Plastikpetersilie. Wieso eigentlich Petersilie? dachte ich mir. Frisch sieht auf jeden Fall anders aus, so viel steht fest. Nun ist es gar nicht so einfach, frischen Fisch zu bekommen. Fisch in so genannter Sushi-Qualität durchlaufe ein ganz spezielles Verfahren. Einfach nur frisch gefangen reiche da keinesfalls aus, erklärte man mir. ich habe mich dann doch für einen ganz gewöhnlichen frischen Fisch von der Fischtheke im Supermarkt entschieden. Und, wie ihr seht, lebe ich immer noch!

Das Leben ist kein Ponyhof!

28. Februar 2011

Meine Freundin und ihr Bauarbeiter. Das Leben kann echt hart zuschlagen. Ich lebe in Berlin. Und Berlin ist groß. Da ist die Hoffnung, unlieb gewordene Personen nicht so bald wieder sehen zu müssen doch berechtigt. Aber nein, das Glück ist mir einfach nicht hold. Gestern war es dann soweit. Da läuft man ahnungslos die Warschauer Straße entlang und dann passiert es. Mich hatte gleich so ein komisches Gefühl beschlichen, als ich morgens das Haus verlassen hatte. Hätte ich das lieber mal gelassen. Warum eigentlich auch nicht - einfach mal ne Woche zuhause bleiben. Wie auch immer, ich laufe also die Straße entlang und da steht sie auf einmal vor mir. Dass sie ihren neuen Macker dabei gehabt hat machte die Situation nicht wirklich einfacher. Dass er sie auch noch ein Stückchen enger an sich drückte als er mich erblickte - ich hätte nicht gedacht, dass das überhaupt noch möglich ist, so wie der an ihr dran hing - und mir einen triumphierenden Blick zuwarf war dann der Gipfel des Eisbergs. Noch nie hat sich ein einfaches “Hallo” so hämisch in meinen Ohren angehört. Wer ich mal gleich weitergelaufen, ein kurzes Nicken hätte doch wirklich gereicht. Stattdessen: “Ich ziehe um. Also, eigentlich, wir ziehen um.” Diese verliebten Blicke, ekelhaft, konnte ich nur denken. Dass das auch ziemlich schnell ging, kam mir dann erst später. “Nach Oldenburg.” Das hingegen war dann doch noch erfreulich. “Immobilien Oldenburg - keine einfache Sache!” Das wiederum war dann auch schon wieder zu viel Info. Wen interessiert es denn? Mich sicherlich nicht! Oldenburg, München, die Sahara - mir doch egal! Hauptsache weg! Weg ist gut, Oldenburg auch. Jetzt noch viel mehr!

Die Leiden eines Fensterputzers

18. Februar 2011

Ich habe es ja schon erwähnt. Mein Job spielt sich in Schwindel erregenden Höhen ab. Und das sage ich durchaus mit Stolz. Zwar habe ich auch schon selbst zugegeben, dass es nicht immer ausschließlich die Hochhäuser der Stadt sind, auf denen meine Kollegen und ich rumturnen. Manchmal aber eben doch. So zum Beispiel im Sommer des vergangenen Jahres. Meine Firma hatte einen Großauftrag an Land gezogen: Zwei Hochhauskomplexe, direkt nebeneinander. Und wir reden hier nicht von zwölf oder dreizehn Stockwerken. Nein, es waren ganze 25 Stockwerke - pro Haus versteht sich. Das ist ganz schön hoch! Und das sagt euch einer, der es wissen muss. Das könnt ihr mir glauben. Woher ich das so genau weiß? Sagen wir es einmal so: fallend erscheint jeder Meter mindestens doppelt so hoch. Aber bitte, nicht erschrecken. ich bin natürlich nicht von ganz oben ganz nach unten gefallen. Die Cleveren unter euch werden es sich schon gedacht haben. Mein Kollege Josef - nein, er kommt nicht aus dem tiefsten Bayern und ist auch noch keine 78 Jahre alt - und ich waren gerade dabei die Fenster der achten Etage zu reinigen, als Josef der Depp, die Reinigungsflüssigkeit verschüttete, ich daraufhin ausrutschte, das Gleichgewicht verlor und zu Boden ging. Hört sich etwas kitschig an, wie im Film, hat sich aber tatsächlich genau so zugetragen. Aber ihr habt es bestimmt schon einmal gesehen, man ist natürlich gesichert. Und so bin ich auch nicht die ganzen acht Etagen elfengleich hinuntergesegelt, sondern nur ein paar Meter. Da hing ich dann, bis Josef sich aus seiner Schockstarre lösen konnte und die erforderlichen Rettungsmaßnahmen einleitete. Hört sich dramatisch an, war es auch. Vier Monate lang war mein Bein im Gips. Verziehen habe ich Josef übrigen ziemlich schnell, man ist ja nicht so.

Fensterputzer vs. Bauarbeiter

10. Februar 2011

Mein Name ist Dirk und ich bin Fensterputzer. So stelle ich mich gerne vor. Das nimmt gleich am Anfang alle Erwartungen von meinen Schultern. Nicht, dass Fensterputzer kein anständiger Beruf wäre. Aber - sind wir doch mal ganz ehrlich - es ist nicht gerade das, was man sich so gemeinhin unter einem Traumberuf vorstellt. Und, wie meine Erfahrungen gezeigt haben, auch nicht unbedingt die Berufsgruppe, deren Vertreter Frauen per se als besonders anziehend empfinden. Wobei der Coka-Cola- Werbespot zur Steigerung unseres Images auf der Attraktivitäts-Skala durchaus beigetragen hat. Wobei - jetzt, wo ich so darüber nachdenke - war das überhaupt ein Fensterputzer oder nur ein weiterer dieser gestählerten schwitzenden Bauarbeiter? Es wäre jedenfalls wünschenswert - ein Fensterputzer! immerhin sind wir es, die sich in schwindelerregenden Höhen gekonnt auf unseren Gerüsten bewegen und lässig den Putzer schwingen. Gut, oftmals beschränkt sich die schwindelerregende Höhe auf ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus - im besten Fall. dennoch, am Boden stehen und an der Zementmaschine rumfuhrwerken, das ist nun wirklich keine Kunst. Wieso genau das der Frauenwelt noch nicht klar geworden ist, das wiederum verstehe ich nicht. der gemeine Bauarbeiter wird dem ihm vorauseilenden Sexappealbonus jedenfalls nicht gerecht. Und das sage ich nicht nur, weil mich meine Freundin vor drei Wochen für genau einen dieser Typen verlassen hat!



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